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Verbesserung der medizinischen Lehre in Deutschland

Rauchen ist weltweit jährlich für 6 Millionen Todesfälle verantwortlich [1]; in Deutschland sterben pro Jahr mehr als 100.000 Raucher/innen an den Folgen des Tabakkonsums [2]. Ärztinnen und Ärzte haben nach den aktuell gültigen Leitlinien [3] die Verpflichtung, rauchende Patienten professionell zu beraten und ihnen wirksame Therapien anzubieten, um rauchbedingte Erkrankungen zu verhindern oder den Verlauf bereits eingetretener Erkrankungen zu verlangsamen. Allerdings weisen aktuelle Studien darauf hin, dass deutsche Ärztinnen und Ärzte dieser Aufgabe nicht adäquat nachkommen [4]. Ein möglicher Grund hierfür ist, dass Interventionen zur Tabakentwöhnung im Medizinstudium nicht trainiert werden [5]. Im Jahr 2014 wurde der Präventionspreis der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin für eine Studie vergeben, in der knapp 20.000 Studierende der Humanmedizin in Deutschland dazu befragt wurden, was sie im Studium zu diesem Thema gelernt haben. Die Studie hatte schwerwiegende Defizite aufgezeigt: Weniger als 5% der Studierenden im letzten Studienjahr konnten sich überhaupt daran erinnern, jemals praktisch zur Beratung von Rauchern angeleitet worden zu sein [6], und vielen Studierenden war nicht bekannt, welche Behandlungsmethoden effektiv sind und welche nicht [7]. Über die Hälfte der Studierenden wünschte sich eine Intensivierung der Lehre zur Tabakabhängigkeit [8]. Somit besteht ein Bedarf, die Ausbildung deutscher Medizinstudenten hinsichtlich der Beratung von Raucherinnen und Rauchern zu verbessern.

Bereits an 13 Standorten werden Aufklärung gegen Tabak Wahlpflichtfächer oder freiwillige Veranstaltungen von universitärer Seite unterstützt und an fünf Medizinfakultäten werden die wissenschaftlich erarbeiteten Materialien prospektiv evaluiert. Hierfür initiierte der Vorsitzende Titus J. Brinker initiativ die Zusammenarbeit mit dem Tabakentwöhnungsexperten Professor Tobias Raupach, MME (Kardiologe und Oberarzt, Universitätsmedizin Göttingen).

Involvierte Medizinfakultäten und lokale Studienleiter: Frankfurt (Nadine Farivar Tanha), Bonn (Janina Suhre), Homburg (Fabian Fries und Albert Omlor), Jena (Julia Holzapfel) und Gießen (Titus J. Brinker).

Gesamtkoordiniert, entwickelt und geleitet wird die wissenschaftliche Multicenterstudie von Professor Tobias Raupach, sowie dem AGT Vorsitzenden Titus Brinker.

Alle AGT Wahlfachstandorte (13 Medizinfakultäten): Regensburg (Tobias Stark), Bochum (Sonja Wolff), Erlangen (Fabian Buslaff), Gießen (Titus Brinker), Bonn (Janina Suhre), Dresden (Charlotte Großkopf), Heidelberg (Ailís Haney), Jena (Daniela Peters), Frankfurt (Nadine Farivar Tanha), Charité Berlin (Tharusan Thevathasan), Freiburg (Lena Jakob und Hannah Maria Baumert), Hannover (Marc Silchmüller), Homburg (Fabian Fries)

Als zweite Säule ist in das Wahlfach die Tabakprävention durch Medizinstudierende in Schulen implementiert: Der größte gesundheitliche Nutzen für den Patienten wird dann erzielt, wenn die Tabakabhängigkeit primär nicht einsetzt und nicht therapiert werden muss [9]. Mehrfach konnte gezeigt werden, dass ärztliche Aufklärung von Schülern über das Thema Rauchen kurzfristig und langfristig vor Tabakabhängigkeit schützt [10, 11]. Da ärztliche schulbasierte Aufklärung aber meist relativ teuer und in der Breite nicht verfügbar ist, wurde mit dem Programm „Aufklärung gegen Tabak“ in welchem etwa 700 Medizinstudenten von 26 Fakultäten (Stand: 1.07.2015) im deutschsprachigen Raum kostenlos mitarbeiten, eine kostengünstigere Lösung mit höherer Breitenwirkung geschaffen [12]. Neben der Nähe zur effektiven ärztlichen Aufklärung hat das Programm den Vorteil, dass es angehende Ärzte für die Problematik des Rauchens sensibilisiert und für Primärprävention im Patientenzimmer schult: Studierende lernen durch praktische Anwendung im Klassenraum, komplexe medizinische Inhalte in für Schüler verständliche Worte zu bringen [12]. Außerdem vermittelt „Aufklärung gegen Tabak“ den Studierenden einen praktischen primärpräventiven Ansatz, der nach den Kategorien der Cochrane Analyse am ehesten als kombinierter sog. „social competences and social influences approach“ einzustufen ist [13]. Dieser praktische und nachweislich langfristig effektivste Ansatz kann nach der Approbation von den Studierenden gewählt werden, um Schüler in Risikogruppen schnell und altersgerecht primärpräventiv aufzuklären, oder ihre praktische Erfahrung in anderen Settings einzubringen.

Übergeordnetes Ziel: Das übergeordnete Ziel dieses Projektes ist es, dass möglichst viele Medizinstudenten so ausgebildet werden, dass sie rauchende und nichtrauchende Bürger jeder Altersgruppe professionell zum Thema Rauchen aufklären sowie beraten können und wollen.

  • Am Ende des AGT Moduls sind die Studierenden in der Lage, rauchende Patienten/innen professionell zur Entwöhnung zu beraten.
  • Am Ende des AGT Moduls sind die Studierenden in der Lage, Schulkinder professionell über das Thema Rauchen aufzuklären.
  • Am Ende des AGT Moduls betrachten die Studierenden es als ihre Aufgabe, rauchende Patienten/innen professionell zur Entwöhnung zu beraten.
  • Am Ende des AGT Moduls betrachten die Studierenden es als ihre Aufgabe, Schulkinder in der Altersgruppe von 10-15 Jahren über das Rauchen aufzuklären.

 

  1. Lim SS, Vos T, Flaxman AD, Danaei G, Shibuya K, Adair-Rohani H, Amann M, Anderson HR, Andrews KG, Aryee M et al: A comparative risk assessment of burden of disease and injury attributable to 67 risk factors and risk factor clusters in 21 regions, 1990-2010: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2010. Lancet 2012, 380(9859):2224-2260.
  2. Neubauer S, Welte R, Beiche A, Koenig HH, Buesch K, Leidl R: Mortality, morbidity and costs attributable to smoking in Germany: update and a 10-year comparison. Tob Control 2006, 15(6):464-471.
  3. Zwar NA, Mendelsohn CP, Richmond RL: Supporting smoking cessation. BMJ 2014, 348:f7535.
  4. Raupach T, Merker J, Hasenfuss G, Andreas S, Pipe A: Knowledge gaps about smoking cessation in hospitalized patients and their doctors. Eur J Cardiovasc Prev Rehabil 2011, 18(2):334-341.
  5. Twardella D, Brenner H: Lack of training as a central barrier to the promotion of smoking cessation: a survey among general practitioners in Germany. Eur J Public Health 2005, 15(2):140-145.
  6. Anders S, Strobel L, Krampe H, Raupach T: [Do final-year medical students know enough about the treatment of alcohol use disorders and smoking?]. Dtsch Med Wochenschr 2013, 138(1-2):23-27.
  7. Raupach T, Strobel L, Beard E, Krampe H, Anders S, West R: German medical students‘ beliefs about the effectiveness of different methods of stopping smoking. Nicotine Tob Res 2013, 15(11):1892-1901.
  8. Strobel L, Schneider NK, Krampe H, Beissbarth T, Pukrop T, Anders S, West R, Aveyard P, Raupach T: German medical students lack knowledge of how to treat smoking and problem drinking. Addiction 2012, 107(10):1878-1882.
  9. Jha P, Peto R: Global effects of smoking, of quitting, and of taxing tobacco. N Engl J Med 2014, 370(1):60-68.
  10. Stamm-Balderjahn S, Groneberg DA, Kusma B, Jagota A, Schonfeld N: Smoking prevention in school students: positive effects of a hospital-based intervention. Dtsch Arztebl Int 2012, 109(44):746-752.
  11. Scholz M, Kaltenbach M: [Promoting non-smoking behavior in 13-year-old students in primary schools and high schools. A prospective, randomized intervention study with 1,956 students]. Gesundheitswesen 2000, 62(2):78-85.
  12. Brinker TJ, Stamm-Balderjahn S, Seeger W, Groneberg DA: Education Against Tobacco (EAT): a quasi-experimental prospective evaluation of a programme for preventing smoking in secondary schools delivered by medical students: a study protocol. BMJ Open 2014, 4(7):e004909.
  13. Thomas RE, McLellan J, Perera R: School-based programmes for preventing smoking. Cochrane Database Syst Rev 2013, 4:CD001293.
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