Einbindung des Fachbereichs Psychologie an der Charité

Neue Strukturen in Berlin: Der Fachbereich Psychologie soll unter der Leitung von Master-Studentin Avija Mitelman (Foto) lokal in die Aufklärungsarbeit miteinbezogen werden. Avija war bereits bei der AGT Gruppe in Frankfurt mit den Medizinstudenten in Schulen unterwegs, nun ist sie nach Berlin gewechselt. Das Projekt wird bundesweit fast ausschließlich von Medizinstudierenden getragen, die naturgemäß eine sehr große Motivation für das Thema mitbringen. Um mehr über die Hintergründe in Berlin zu erfahren, haben wir ein Interview mit der neuen Leiterin geführt:

Avija, warum engagierst du dich?

„Das Thema Raucherprävention liegt mir am Herzen, weil ich sowohl im persönlichen Umfeld als auch bei Praktika in Kliniken mit vielen Menschen konfrontiert war, die in der Jugend angefangen haben zu rauchen und nun an den Folgeerkrankungen leiden. Schon als Kind habe ich die Zigarettenschachteln meiner Eltern versteckt- leider ohne Erfolg. Nun möchte ich mit wirksameren Mitteln der Zigarette den Kampf ansagen!
Zudem habe ich die Erfahrung gemacht, dass Schüler im Alter von 12 bis 16 für positiven und leider auch negativen Einfluss besonders empfänglich sind. Mit Hilfe der AGT können wir in diesem kritischen Alter ansetzen, eine Vorbildfunktion einnehmen und die Schüler für ihre Gesundheit sensibilisieren. Auch hat es mir stets Spaß gemacht, mit Schülern dieser Altersgruppe zu arbeiten und ich freue mich, das im präventiven Rahmen fortführen zu können.“

Was überzeugt dich an dem Konzept?

„Die Stärke des Programms liegt insbesondere in der Herangehensweise an die Schüler. Wir begegnen ihnen nicht autoritär und belehrend, sondern als Mentoren auf Augenhöhe. Hierbei setzen wir auf interaktive Zusammenarbeit statt auf Frontalunterricht. Zudem finde ich gut, dass das Programm laufend optimiert wird und aktuelle Jugendtrends, wie zum Beispiel die E-Shisha, in der Aufklärung berücksichtigt werden.“

Warum meinst Du, dass grade Psychologie-Studenten zum Aufklären von Schülern geeignet sind?

„In der Psychologie beschäftigen wir uns mit dem menschlichen Erleben, Verhalten und Handeln. Wie werden Entscheidungen getroffen? Wie entsteht Risikoverhalten? Welche Faktoren erhalten eine Sucht aufrecht? Auf Basis dieser Erkenntnisse können beispielsweise in der Gesundheitspsychologie wirksame Präventionsprogramme entwickelt werden.

Es ist wichtig, die Schüler über gesundheitliche, psychische und finanzielle Konsequenzen von Tabak aufzuklären, um das Treffen einer differenzierten Entscheidung für oder gegen das Rauchen zu ermöglichen. Meiner Meinung nach ist es jedoch ebenso wichtig, die soziale Bewertung des Rauchens zu ändern und den Schülern Fertigkeiten mitzugeben, auf die sie in Drucksituationen zurückgreifen können. Denn selbst ein aufgeklärter Schüler könnte unter Gruppendruck Schwierigkeiten haben „nein“ zu sagen. Unsere Aufgabe besteht auch darin, Schüler auf diese Risikosituationen vorzubereiten und ihnen Handlungsalternativen aufzuzeigen. Gerne würde ich bei der Gestaltung des Programms stärker psychologische Gesichtspunkte, wie motivationale Aspekte, berücksichtigen. Zudem möchten wir den Fokus auf die positiven Aspekte des Nichtrauchens anstelle der negativen Folgen des Rauchens legen. Ich finde es toll, dass die AGT-Berlin auf interdisziplinäre Zusammenarbeit setzt. So können angehende Mediziner und Psychologen voneinander profitieren und gemeinsam das Programm optimieren. Im neuen Jahr werden wir uns dieser Aufgabe stellen.“

Zur Person: Avija Mitelman (22) studiert im 1. Mastersemester Psychologie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Nach dem Studium strebt sie eine Ausbildung zur Psychotherapeutin an.